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Lesebuch
Persönliches

 

Lesebuch: Teil 1"
 
Vorwort und Inhalt

 

Die Zeitalter


Von Publius Ovidius Naso

[Auszug aus dem Werk "Metamorphoseon libri" ("Bücher der Verwandlungen"). Übersetzung aus dem Lateinischen von Johann Heinrich Voß, leicht geändert.]

 

Das goldene Zeitalter

Am Anfang war das goldene Zeitalter, in dem ohne Zwang und Gesetz freiwillig Treue und Gerechtigkeit gewahrt wurden. Furcht und Strafe waren fern. Nicht lasen die Menschen drohende Worte auf dem gehefteten Erz; nicht bang vor des Richtenden Antlitz stand ein flehender Schwarm; ungezüchtigt waren sie sicher. Nie vom eignen Gebirge, um der Fremdlinge Welt zu besuchen, stieg die gehauene Fichte hinab in die flüssige Woge. Außer dem ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade. Noch umgürteten nicht abschüssige Gräben die Städte. Nicht die gerade Trompete von Erz, noch gewundene Hörner, auch nicht Helm oder Schwert gab es; und der Söldner entbehrend, lebten nun sorglos in behaglicher Ruhe die Völker. Selbst annoch, unbeschatzt, und dem Karst nie pflichtig, noch jemals Wund vom schneidenden Pflug, gab freudiger Alles die Erde. Und mit den Speisen vergnügt, die ohne Zwang sich erhoben, pflückten sie Arbutusfrucht und des Bergtals würzige Erdbeern, auch des rauhen Geranks Brombeer, und die rote Kornelle, und vom gebreiteten Baume des Jupiter fallende Eicheln. Ewig waltete Frühling, und sanft mit lauem Gesäusel fächelten Zephyrus Hauche die saatlos keimenden Blumen. Bald auch gebar Feldfrüchte der ungeackerte Boden, ohne Auffrischung ergraute die Flur von schwerer Ähre. Rings nun Bäche von Milch, rings wallten Bäche von Nektar; rings auch tröpfelte gelb aus grünender Eiche der Honig.

Das silberne Zeitalter

Als Saturnus versank in des Tartarus Dunkel, und herrschend Jupiter lenkte die Welt, da erwuchs die silberne Zeugung, weniger köstlich denn Gold, doch mehr als rötliches Erz noch. Jupiter engte nunmehr der Urwelt ewigen Frühling, sonderte Winter, und Gluten, und herbstliche Ungewitter vom kurzblühenden Lenz, und schuf vier Räume des Jahres. So geschah es, dass die Lüfte, von trockener Schwüle gesenget, glühten und vor dem Winde das Eis hartstarrend herabhing. Nun suchten die Menschen Häuser zum Schirm; ihr Haus war die Höhle, oder ein dichtes Gestaude, und mit Bast verbundene Reiser. Jetzt ward Samen der Ceres in langgezogenen Furchen untergescharrt, und es seufzte im drängenden Joche der Pflugstier.

Das erzene Zeitalter

Hierauf folgte das dritte Geschlecht, von Erz - artiger Zeugung, wütender schon von Natur, und gewandt zu schrecklichen Waffen, doch unsündig noch. Es folgte die eiserne Abart. Stracks nun stürmte daher in die Zeit der schlechteren Ader jeglicher Gräuel. Es entflohen die Scham, und die Treue, und die Wahrheit. Deren Stelle nahmen ein der lauernde Trug und die Arglist, heimliche Tücke, und Gewalt, und die frevelnde Sucht zu gewinnen. Unbekannteren Winden entfaltete Segel der Schiffer; und da sie lange untätig auf luftigen Bergen gestanden, wagten die Kiele den Sprung durch nie erkundete Wasser. Auch die Erde, zuvor wie Luft und Sonne gemeinsam, zeichnete jetzt vorsichtig mit langer Grenze der Messer.Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man herrisch vom reichen Gefild; man drang in die Tiefen der Erde und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten, grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen. Kaum war schädliches Eisen, und Gold, heilloser als jenes, ausgewühlt, da erhob sich der Krieg, und kämpfte mit Beidem, und in der blutigen Hand erschütterte er rasselnde Waffen. Nun lebt alles vom Raub, kein Gastfreund schonet den Gastfreund, noch der Schwiegersohn den Schwager; auch liebende Brüder sind selten. Meuchlerisch stellet das Weib dem Gemahl nach, dieser der Gattin; und Stiefmütter bereiten aus falbem Kraute den Gifttrank. Selber auch späht voreilend der Sohn nach den Jahren des Vaters. Frömmigkeit sank vor Gewalt; Asträa selber, die Jungfrau, floh, als Letzte der Himmlischen, die blutgefeuchteten Länder.

 

 

"Wir sind dazu da, einander das Leben zu versüßen und zu erleichtern, und nicht, es zu verbittern und mühselig zu machen."

Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf
[Erzähler (1797 - 1854).]

Bild: [3]  

 

 

Die Geschichte einer ewigen Sehnsucht


Von Jörg - Uwe Albig

[Kurze Kulturgeschichte der Vorstellungen vom Paradies und der Versuche, es auf Erden nachzuahmen, geschrieben in einem lockeren, auch gut zum Vorlesen geeigneten Stil. Veröffentlicht in der Zeitschrift GEO, Januar 2007, Heft 01, S. 128 - 156. In vielen öffentlichen Bibliotheken einseh- und ausleihbar.]

 

 

"Es gibt Erkenntnisse, die gewinnt man nur, wenn man sie gewinnen will."

Ludwig Wittgenstein
[ (1889 - 1951).]

 

 

Der alte Großvater und der Enkel


[Aus den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm.]

 

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm nass. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller. Daraus musste er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. "Was machst du da?", fragte der Vater. "Ich mache daraus ein Tröglein.", antwortete das Kind, "Daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin." Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten sofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

 

 

"Alt werden ist nichts für Feiglinge!"

Mae West
[Film- und Bühnenkünstlerin (1893 (?) - 1980).]

  Bild: [1]

 

 

Der geheilte Patient


Von Johann Peter Hebel

 

Reiche Leute haben trotz ihrer gelben Vögel doch manchmal auch allerlei Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob der arme Mann nichts weiß, denn es gibt Krankheiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern und in den weichen Sesseln und seidenen Bettern, wie jener reiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann. Den ganzen Vormittag saß er im Lehnsessel und rauchte Tabak, wenn er nicht zu träge war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: "Windet's draußen, oder schnauft der Nachbar so?" – Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenfalls bald etwas Kaltes, bald etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter Langeweile bis an den Abend, also, daß man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das Mittagessen aufhörte und wo das Nachtessen anfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen, oder Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfen war wie ein Maltersack. Essen und Schlaf wollten ihm nimmer schmecken, und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er 365 Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere. Alle Ärzte, die in Amsterdam sind, mußten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver und Pillen wie Enteneier so groß, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke.

Aber alle Arzneien halfen ihm nichts, denn er folgte nicht, was ihm die Ärzte befahlen, sondern sagte: "Wofür bin ich ein reicher Mann, wenn ich soll leben, wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für mein Geld?" Endlich hörte er von einem Arzt, der 100 Stund weit weg wohnte, der sei so geschickt, daß die Kranken gesund würden, wenn er sie nur recht anschaue, und der Tod gehe ihm aus dem Weg, wo er sich sehen lasse. Zu dem Arzt faßte der Mann ein Zutrauen, und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald was ihm fehle, nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung und sagte: "Wart', dich will ich bald kuriert haben." Deswegen schrieb er ihm ein Brieflein folgenden Inhalts: "Guter Freund, Ihr habt einen schlimmen Umstand, doch wird Euch zu helfen sein, wenn Ihr folgen wollt. Ihr habt ein bös Tier im Bauch, einen Lindwurm mit sieben Mäulern. Mit dem Lindwurm muß ich selber reden, und Ihr müßt zu mir kommen. Aber fürs erste so dürft Ihr nicht fahren oder auf dem Rößlein reiten, sondern auf des Schuhmachers Rappen, sonst schüttelt Ihr den Lindwurm und er beißt Euch die Eingeweide ab, sieben Därme auf einmal ganz entzwei. Fürs andere dürft Ihr nicht mehr essen, als zweimal des Tages einen Teller voll Gemüs, mittags ein Bratwürstlein dazu, und nachts ein Ei, und am Morgen ein Fleischsüpplein mit Schnittlauch drauf. Was Ihr mehr esset, davon wird nur der Lindwurm größer, also daß er Euch die Leber erdrückt, und der Schneider hat Euch nimmer viel anzumessen, aber der Schreiner. Dies ist mein Rat, und wenn Ihr mir nicht folgt, so hört Ihr im andern Frühjahr den Gukuk nimmer schreien. Tut was Ihr wollt!"

Als der Patient so mit ihm reden hörte, ließ er sich sogleich den andern Morgen die Stiefel salben und machte sich auf den Weg, wie ihm der Doktor befohlen hatte. Den ersten Tag ging es so langsam, daß wohl eine Schnecke hätte können sein Vorreiter sein, und wer ihn grüßte, dem dankte er nicht, und wo ein Würmlein auf der Erde kroch, das zertrat er. Aber schon am zweiten und am dritten Morgen kam es ihm vor, als wenn die Vögel schon lange nimmer so lieblich gesungen hätten wie heut, und der Tau schien ihm so frisch und die Kornrosen im Feld so rot, und alle Leute, die ihm begegneten, sahen so freundlich aus, und er auch, und alle Morgen, wenn er aus der Herberge ausging, war's schöner, und er ging leichter und munterer dahin, und als er am 18. Tage in der Stadt des Arztes ankam, und den andern Morgen aufstand, war es ihm so wohl, daß er sagte: "Ich hätte zu keiner ungeschicktern Zeit können gesund werden als jetzt, wo ich zum Doktor soll. Wenn's mir doch nur ein wenig in den Ohren brauste, oder das Herzwasser lief mir." Als er zum Doktor kam, nahm ihn der Doktor bei der Hand und sagte ihm: "Jetzt erzählt mir denn noch einmal von Grund aus, was Euch fehlt." Da sagte er: "Herr Doktor, mir fehlt gottlob nichts, und wenn Ihr so gesund seid wie ich, so soll's mich freuen." Der Doktor sagte: "Das hat Euch ein guter Geist geraten, daß Ihr meinem Rat gefolgt habt. Der Lindwurm ist jetzt abgestanden. Aber Ihr habt noch Eier im Leib, deswegen müßt Ihr wieder zu Fuß heimgehen, und daheim fleißig Holz sägen, das niemand sieht, und nicht mehr essen, als Euch der Hunger ermahnt, damit die Eier nicht ausschlupfen, so könnt Ihr ein alter Mann werden", und lächelte dazu. Aber der reiche Fremdling sagte: "Herr Doktor, Ihr seid ein feiner Kauz, und ich versteh Euch wohl", und hat nachher dem Rat gefolgt und 87 Jahre, 4 Monate 10 Tage gelebt, wie ein Fisch im Wasser so gesund, und hat alle Neujahr dem Arzt 20 Dublonen zum Gruß geschickt.

 

 

"Von mir aus könnte es immer so weitergehen."

Robert Meier
[Zeitweise ältester Mann Deutschlands (1897 - 2007).]

 

 

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern


Von Hans Christian Andersen

 

Es war entsetzlich kalt; es schneite, und der Abend begann zu dunkeln. Es war der letzte Abend des Jahres, der Altjahrsabend. In dieser Kälte und Dunkelheit ging ein kleines, armes Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen die Straße entlang. Als sie von zuhause fortging, hatte sie Pantoffeln angehabt, aber diese waren sehr groß, ihre Mutter hatte sie zuletzt getragen, und die verlor die Kleine, als sie über die Straße eilte, weil zwei Wagen schnell vorbei fuhren; der eine Pantoffel war nicht zu finden, und mit dem anderen rannte ein Junge weg, der sagte, er könne ihn als Wiege gebrauchen, wenn er selbst Kinder hätte.

Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten Füßchen dahin, die rot und blau vor Kälte waren. In einer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer und ein Bund hielt sie in der Hand. Den ganzen Tag über hatte ihr niemand etwas abgekauft oder auch nur einen Schilling geschenkt. Hungrig und frierend ging sie weiter und sah ganz bedrückt aus, das arme Ding. Schneeflocken fielen auf ihr langes, blondes Haar, das sich so hübsch im Nacken lockte, aber daran dachte sie nicht. Aus den Fenstern glänzten Lichter und es roch so wunderbar nach Gänsebraten; es war ja Altjahrsabend, ja, daran musste sie denken.

In einem Winkel zwischen zwei Häusern, wo das eine etwas weiter in die Straße vorragte als das andere, setzte sie sich hin; die Beine hatte sie unter sich hochgezogen, aber sie fror noch mehr, und nach Hause getraute sie sich nicht. Sie hatte ja keine Schwefelhölzer verkauft, nicht einen Schilling bekommen. Ihr Vater schlug sie dann, und und kalt war es auch zuhause. Sie hatten nur eben das Dach über sich, und da pfiff der Wind hindurch, obwohl die größten Ritzen mit Stroh und Lappen verstopft waren. Ihre kleinen Hände waren fast abgestorben vor Kälte. Ach, ein Schwefelhölzchen würde guttun! Dürfte sie nur eines aus dem Bund herausziehen, es an der Wand anreißen und die Finger daran wärmen. Sie zog eines heraus, "Ritsch!", wie das zischte,wie es brannte! Es war eine warme, helle Flamme, ganz wie ein Lichtchen, als sie die Hand darum legte. Es war ein seltsames Licht! Dem kleinen Mädchen war es, als säße es vor einem großen, eisernen Ofen mit blanken Messingkugeln und einer Messingtrommel. Das Feuer brannte herrlich und wärmte so gut! Die Kleine streckte die Füße aus, um auch diese aufzuwärmen, da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand, sie hatte einen kleinen Rest des ausgebrannten Schwefelholzes in der Hand.

Ein neues wurde angestrichen, es brannte, es leuchtete, und wo der Schein auf die Hauswand fiel, wurde diese durchsichtig. Sie sah bis in die Stube hinein, wo der Tisch mit dem schimmernd weißen Tischtuch gedeckt stand, mit feinem Porzellan, und herlich dampfte die gebratene Gans, gefüllt mit Backpflaumen und Äpfeln! Und noch prächtiger, die Gans hüpfte von der Platte, watschelte mit Gabel und Messer im Rücken durch das Zimmer auf das arme Mädchen zu. Da erlosch das Schwefelholz und nur die dicke, kalte Hauswand war zu sehen.

Sie zündete ein neues an. Da saß sie unter dem schönsten Weihnachtsbaum, der war noch größer und prächtiger geschmückt als der, den sie bei dem reichen Kaufmann zu Weihnachten gesehen hatte. Tausend Kerzen brannten an den grünen Zweigen, und bunte Bilder wie die, welche die Ladenfenster schmückten, blickten zu ihr nieder. Die Kleine streckte beide Hände hoch, da erlosch das Schwefelholz. Die Weihnachtslichter stiegen immer höher und waren nun die hellen Sterne. Einer davon fiel nieder und bildete einen langen Feuerstreif am Himmel. "Nun stirbt jemand!", sagte das Mädchen, denn die alte Großmutter, die als einzige gut zu ihr und jetzt tot war, hatte ihr erzählt: Wenn ein Stern fällt, steigt eine Seele zu Gott auf. Sie strich abermals ein Schwefelholz an der Hauswand an, das leuchtete weithin, und in seinem Glanze stand die alte Großmutter, so hell, so leuchtend, so mild und segensreich. "Großmutter!", rief die Kleine, "Oh, nimm mich mit! Ich weiß, du bist fort, wenn das Schwefelholz ausgeht, fort wie der warme Ofen, der herrliche Gänsebraten und der große prächtige Weihnachtsbaum!" Sie strich geschwind den ganzen Rest der Schwefelhölzer an, der im Bund war. Sie wollte die Großmutter recht festhalten, und die Schwefelhölzer leuchteten mit solchem Glanz, dass es heller war als am lichten Tag. Großmutter war nie zuvor so schön, so groß gewesen. Sie nahm das kleine Mädchen auf ihre Arme und sie flogen in Glanz und Freude dahin, ganz hoch, und dort gab es keine Kälte, keinen Hunger, keine Angst. Sie waren bei Gott!

In der Ecke am Haus aber saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen und einem Lächeln um den Mund, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Neujahrsmorgen ging über dem toten Kind auf, das mit den Schwefelhölzern dasaß, von denen ein Bund abgebrannt war. "Sie hat sich erwärmen wollen.", sagte man. Niemand wusste, was sie Schönes gesehen hatte, in welchem Glanz sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!

 

 

"Die Weisheit führt uns zur Kindheit zurück."

Blaise Pascal
[Religionsphilosoph, Mathematiker, Physiker (1623 - 1682).]

  Bild: [2]

 

 

Der Schmied seines Glückes


Von Gottfried Keller

[Humorvolle Geschichte um einen Glückssucher, der seine Fähigkeit zur Steuerung des Schicksals etwas überschätzte. Aus der Erzählungen - Sammlung "Die Leute von Seldwyla", in vielen öffentlichen Bibliotheken ausleihbar. Text - Veröffentlichung im Internet: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3821&kapitel=1#gb_found]

 

 

Romeo und Julia auf dem Dorfe


Von Gottfried Keller

[Mit unaufdringlichem Mitgefühl erzählte Begebenheit einer tragischen Romanze zwischen zwei Jugendlichen im ländlichen Milieu des 19. Jahrhunderts. Aus der Erzählungen - Sammlung "Die Leute von Seldwyla", in vielen öffentlichen Bibliotheken ausleihbar. Text - Veröffentlichung im Internet: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3820&kapitel=1]

 

 

Kleider machen Leute


Von Gottfried Keller

[Geschichte eines Underdogs, der die Sitten und Gebräuche der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert zum gesellschaftlichen Aufstieg nutzt. Aus der Erzählungen - Sammlung "Die Leute von Seldwyla", in vielen öffentlichen Bibliotheken ausleihbar. Text - Veröffentlichung im Internet: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3817&kapitel=1#gb_found]

 

 

Herbstlied


Von Johann Gaudenz Freiherr von Salis - Seewis

 

Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Sieh, wie hier die Dirne emsig Pflaum und Birne
in ihr Körbchen legt,
dort mit leichten Schritten jene goldnen Quitten
in den Landhof trägt.

Flinke Träger springen, und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

Geige tönt und Flöte bei der Abendröte
und im Mondenglanz;
junge Winzerinnen winken und beginnen
deutschen Ringeltanz.

"Die Kinder finden im Nichts das Gesamte, die Erwachsenen im Gesamten das Nichts."

Giacomo Leopardi
[Dichter (1798 - 1837).]

  Bild: [4]

Was dich wärmt und glücklich macht:


Von Johann Wolfgang von Goethe

 

      

Was dich wärmt und glücklich macht,
das sind nicht die großen Gaben,
ist nicht Wollen oder Haben
ist ein Freund, der mit dir lacht.

Ist ein Licht, ist eine Blüte,
ein vertrauter Händedruck,
eines Lächelns edler Schmuck,
Menschlichkeit und Herzensgüte.

Sind spontane Freundlichkeiten,
die uns da und dort erquicken,
ein - Hallo - ein ein frohes Nicken -
beinah Selbstverständlichkeiten -

und doch so viel mehr als dies,
nicht nur Artigkeit und Brauch;
sie sind wie ein zarter Hauch
zum verlorenen Paradies!

Bild: [7]         

 

 

"Wer sich um das Unmögliche bemüht, kann das Höchstmögliche erreichen."

August Strindberg
[Schriftsteller und bildender Künstler (1849 – 1912).]

Bild: [5]  

"Seid nett zueinander! Versucht es wenigstens!."

Angelo Giuseppe Roncalli
[Papst Ioannes PP. XXIII (1881 - 1963).]

"Nicht in den Dingen liegt das Böse, sondern in ihrem unrechten Gebrauch."

Aurelius Augustinus
[Theologe (354 – 430).]

Bild: [6]  

 

 

Quellen und Anmerkungen


 

1. Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Mae_West_portrait.jpg
2. Bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/38/Blaise_Pascal.jpeg
3. Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:JeremiasGotthelf.jpg
4. Bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/Giacomo_Leopardi.jpg
5. Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/August_Strindberg
6. Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Augustinus_2.jpg
7. Bild: Ausschnitt aus einem Porträt Goethes, gemalt von Tischbein.

 

Zuletzt aktualisiert am 17.01.2017
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